Montag, 23.10.2017
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Verwaltungsgemeinschaft
NORDKREIS
WEIMAR

Ortsteil Nermsdorf

Grundfläche Gemarkung Nermsdorf: 465,3 ha
Grundfläche bebaut: 11,7 ha

 

Der Ort Nermsdorf liegt zwischen den Hügeln am Südrand des Thüringer Beckens. Die zur Straßenfront stehenden Giebel der Häuser kennzeichnen den Ort als Reihendorf.

Südllich des Ortes beginnt die „alte Weinstraße", ein Verbindungsweg zwischen Frankfurt am Main und Leipzig, der vor der Errichtung der Eisenbahn eine wichtige und viel genutzte Handels- und Heerstraße war.

Nermsdorf wird 876 im lngelsheimer Protokoll in Zusammenhang mit dem Zehnerstreit in Thüringen als Nemannesthroph erstmals benannt. Urkundlich nachweisbar ist seit dem Jahre 1349 der Name Nermsdorf. Im Mittelalter gehörte die Gemarkung verschiedenen Gutsherren, so dem Grafen von Weimar-Orlamünde, dem Zisterzienserinnenkloser St. Maringart in Erfurt und dem Kloster Heusdorf. Aus der Flur wurden steinzeitlliche Geräte geborgen, die auf Siedlungsstellen schon vor der eigentlichen Ortsgründung hinweisen.

Man fand auf der Wüstung Stiebsdorf als Zeugen früherer Besiedlung Tonscherben slawischen und deutschen Ursprungs sowie ein Höckergrab. Den Mittelpunkt des Dorfes bildete eine barocke Kirche, die vom alten Friedhof umgeben war. Im Jahre 1777/78 wurde die Kirche nach Baufälligkeit im barocken Stil wieder aufgebaut. Der Unterteil des Turmes blieb beim Kirchenumbau erhalten. In ihm ist ein vermauertes gotisches Fenster erkennbar. Dies lässt vermuten, dass die Kirche schon im XII. Jahrhundert erbaut wurde und zu dem in unserer Gegend weitverbreiteten Typ der Ostturmkirche gehört. Der Zwiebelturm hatte eine Höhe von ca. 27 Meter. Der 30jährige Krieg bedeutete eine Leidenszeit für die gesamte Gemeinde. Die Abgaben wurden immer höher. 1642 lebten nur noch ein Ehepaar, zwei Witwen und fünf Kinder im Dorf. Seit dem 16. Jahrhundert befand sich am südlichen Dorfrand eine Windmühle, diese galt als Wahrzeichen des Ortes. Leider ist die Mühle 1995 bis auf die Außenmauern vollständig abgebrannt. Bis 1872 besaß die Gemeinde ein eigenes Brauhaus, wo man das beliebte Hamster- und Brouanbier braute. Die Zahl der Handwerksbetriebe, meist Webereien, betrug 1858 zwölf, 1860 sechs und 1930 elf. Am Ende des 19. Jahrhunderts galt Nermsdorf als eine „gut situierte Bauerngemeinde". Im 1. und 2. Weltkrieg ließen viele Bürger Nermsdorfs ihr Leben.

Im Oktober 1988 wurde die Kirche in Nermsdorf ein Opfer der Flammen. Die Kirche brannte bis auf die Steinmauern nieder. 1991 begann der Wiederaufbau, leider jedoch ohne Zwiebelturm. Die Kirche wird heute nicht nur als Gotteshaus genutzt. Eine Harmoniumausstellung des Thüringer Orgelmuseums hat hier eine bleibende Heimstadt gefunden. Gegenwärtig können bereits 5 bis 7 Ausstellungsstücke besichtigt werden.

Die Gemeinde Nermsdorf wurde 1994 in die Stadt Buttelstedt eingemeindet.